Interview mit Wolfgang Rayher – Gründer und Geschäftsführer der Rayher Hobby GmbH

7 months ago Learn from the best55

Die Rayher Hobby GmbH mit Sitz in Laupheim beschäftigt übergreifend über 400 Mitarbeiter. Das Familienunternehmen Rayher ist ein führendes Unternehmen der Hobby- und Bastelbranche. Das Unternehmen wurde 1961 von Herrn Wolfgang Rayher im Alter von 20 Jahren gegründet.

 

Wolfgang Rayher

 

Felix Stäb: Vielen Dank, Herr Rayher, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview nehmen – ich freue mich auf spannende Einblicke von Ihnen. Darf ich nach Ihrem beruflichen Werdegang fragen – wie war Ihr Weg hin zum selbstständigen und erfolgreichen Unternehmer?

Wolfgang Rayher: Schon mit 16 Jahren habe ich die Ausbildung zum Kaufmann erfolgreich abgeschlossen; von diesem Zeitpunkt an stand ich mitten im beruflichen Umfeld. So habe ich im Anschluss an meine Lehrzeit bei verschiedenen Unternehmen gearbeitet, um unterschiedliche Branchen kennenzulernen – letztlich auch im Bereich der Schmuckherstellung. 

Während der Schmuck- und Kreativ-Messe in Frankfurt, wo sich damals alle Branchengrößen regelmäßig getroffen haben, bestätigte sich meine Entscheidung, in genau dieser Branche aktiv zu werden und mein eigenes Unternehmen aufzubauen. 1961, damals war ich gerade 20 Jahre alt, gründete ich eine Firma die Modeschmuck herstellt, zunächst hauptsächlich aus Holzperlen und produziert in Heimarbeit. Begonnen habe ich mit einer Mitarbeiterin, schon nach kurzer Zeit habe ich dann eine weitere Mitarbeiterin eingestellt. Die Produkte haben wir zu diesem Zeitpunkt hauptsächlich an deutsche Großhändler vertrieben.

 

Felix Stäb: Neben Schmuckstücken haben Sie ab 1967 auch Einzel- und Ersatzteile aus der Schmuckwelt in das Portfolio aufgenommen. Eine durchaus interessanter Ansatz, neben fertigen Produkten nun auch Zubehör anzubieten. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Wolfgang Rayher: Teilweise kam es, trotz sorgfältiger und qualitätsbewusster Herstellung, bei manchen unserer Schmuckkreationen zu einzelnen Verschleißerscheinungen. Da ich auch damals schon nachhaltig handeln wollte, war mein Ansatz unseren Kunden eine Möglichkeit zu bieten, ihren Schmuck zu reparieren anstatt zu entsorgen. In dieser Überlegung habe ich, neben dem nachhaltigen Hintergrund, absatzpolitisches Potenzial vermutet. Daher habe ich beschlossen diesen Markt zu bedienen und unseren Kunden nun auch Einzel- und Zubehörartikel anzubieten.

 

Felix Stäb: Kam es dadurch zu Kannibalisierungseffekten innerhalb Ihres noch jungen Unternehmens?

Wolfgang Rayher: Keineswegs! Wir haben mit unserem Ansatz verschiedene und teilweise auch unabhängige Märkte innerhalb der Kreativbranche bedient. 

Wir haben, neben der Fertigung von Modeschmuck, zunächst eine übersichtliche Kollektion an Einzel- und Zubehörartikel zusammengestellt, welche die wesentlich benötigten Ersatzteile enthielt.
Parallel dazu haben wir auch die ersten DIY-Sets zusammengestellt: Das sind Packungen, die alle nötigen Teile enthalten, damit sich unsere Kunden ihr eigenes Modeschmuckstück selbst basteln können. Im Laufe der 1970er Jahre wuchs der DIY-Bereich stark weiter, das „Basteln“ gewann bei unserer Zielgruppe verstärkt an Bedeutung – daher habe ich Ende der 70er Jahre beschlossen, die Produktion von Modeschmuck einzustellen und unsere Kompetenzen auf das Thema „Basteln“ zu bündeln.

Felix Stäb: Wie geht die Geschichte dann weiter? Wurde bald auch in das Ausland geliefert und expandiert?

Wolfgang Rayher: Bereits seit 1967 liefert Rayher nach Österreich und in die Schweiz, auch die ersten Handelsvertreter arbeiten seit diesem Jahr für mich. Nachdem das Sortiment und damit auch das Unternehmen weiter wachsen, umfasst unser Absatzmarkt seit Mitte der 80er Jahre nahezu ganz Europa. 

Worauf ich immer noch besonders stolz bin ist die erste Hausmesse der Kreativbranche, die 1988 bei Rayher in Laupheim stattfindet. Das war wirklich ein persönlicher Höhepunkt für mich, denn der Zuspruch unserer Kunden war wirklich überragend!
1992 firmierte ich die „Einzelunternehmung Wolfgang Rayher“ in die „Rayher Hobby GmbH“ um. 1997 und 2001 haben wir an unserem Standort im oberschwäbischen Laupheim kräftig und nachhaltig investiert: Zunächst in ein großes Hochregallager und später in ein komplett neues, modernes Logistikzentrum. Seit Mitte der 2000er betreiben wir einige Rayher Filialen und produzieren mit unserem Tochterunternehmen auch viele Artikel selbst – der Schritt zur Rückwärtsintegration war ein entscheidender Erfolgsfaktor angesichts der aktuellen Herausforderungen am Markt.
Heute umfasst unser Sortiment knapp 22.000 verschiedene Qualitätsartikel aus den Bereichen „Basteln“ und „DIY“. Wir liefern knapp 70 Millionen Produkte pro Jahr in etwas über 25 Ländern auf der ganzen Welt und wir wachsen weiter: Kanada ist für uns aktuell ein Absatzmarkt, den wir langfristig aufbauen wollen. Zudem möchten wir verstärkt Produkte mit unserer Tochter selber produzieren anstatt einzukaufen.

 

Felix Stäb: In Ihrer Branche ist es sicherlich ganz wichtig, Trends zu erkennen und immer wieder neue Ideen zu entwickeln, um so den Mitbewerbern immer einen kleinen Schritt voraus zu sein. Wie ist so eine Aufgabe zu schaffen?

Wolfgang Rayher: Im Besonderen sind Messen weltweit – egal ob USA oder Asien – entscheidende Faktoren, um Entwicklungen und Veränderungen des Marktes rechtzeitig zu erkennen und neue Impulse und Ideen, zur richtigen Zeit, unserer Zielgruppe zu präsentieren. Aus anderen Ländern kann man vielfältige Eindrücke sammeln und so Neuartiges präsentieren. Messen waren für mich immer wichtig, um Neues zu entdecken. So bereisen unsere Kreativ-Scouts auch heute ständig die ganze Welt auf der Suche nach neuartigen Produkten und den kommenden Trends. Daraus entstehen innovative Produkte und Lösungen, wie unsere Chalky Finish-Serie oder die trendigen Beton-Produkte.

Ein gutgemeinter Tipp von mir: Gerade zu Beginn, als ich mit meinem Unternehmen angefangen habe, war mir die Meinung meiner Bekannten und Freunde immer sehr wichtig. Oft habe ich ihnen meine neuen Produkte gezeigt und um eine ehrliche Rückmeldung gebeten. Daran habe ich meistens das Potenzial meiner Produkte gemessen und folglich natürlich manche auch direkt wieder eingestampft (lacht).

 

Felix Stäb: Schon zu Beginn unserer Interviews haben Sie das Thema „Nachhaltigkeit“ angesprochen und wie sich dadurch Ihr Unternehmen weiterentwickelt hat. Das zeigt, wie wichtig dieses Thema für Sie ist. Was ist Ihnen in diesem Zusammenhang besonders wichtig?

Wolfgang Rayher: Rayher steht für Sicherheit, Qualität und Innovation. Besonders die Sicherheit unserer Produkte für meine Kunden und unsere Umwelt liegt mir am Herzen. Wir überprüfen unsere Produkte daher auf Schadstoffe und bieten somit nur Produkte an, die unsere internen Qualitätsstandards erfüllen. Dafür haben wir eigene Prüfwerkzeuge erworben und einen sicheren Ablauf entwickelt. Da ich dafür mit gutem Gewissen bürgen kann, trägt jedes unserer Produkte meine Unterschrift – das Logo der Firma Rayher.
Zudem bestellen wir eine firmeneigene Blumenwiese, die Nahrungsgrundlage für unsere knapp 210.000 fleißigen Bienen darstellt. Auch gewinnen wir den überwiegenden Teil unseres Stroms nachhaltig mit unserer eigenen Photovoltaikanlage auf dem Dach.

 

 

Felix Stäb: Schauen wir mal ein wenig nach vorne. In welche Richtung wird sich Rayher in den kommenden Jahren weiterentwickeln? Wie sehen die Pläne und auch die Herausforderungen für die Zukunft aus? 

Wolfgang Rayher: Eine besondere Herausforderung in unserer Branche ist der Wandel im stationären Sektor. Die Fachhändler haben zunehmend mit der Online-Konkurrenz zu kämpfen, erschwerend kommen stetig steigende Mieten in den Innenstädten und ein verändertes Konsumverhalten hinzu. Häufig stehen beim Stadtbummel verstärkt der kulinarische Genuss sowie die Inspiration im Mittelpunkt, wirklich eingekauft wird im Anschluss preissensibel online. So schließen in letzter Zeit einige unserer Fachhändler, mit denen wir teilweise langjährige Partnerschaften pflegen, ihre Ladengeschäfte.

Wir versuchen dies über zwei Sektoren zu kompensieren: Zum einen verkaufen wir immer mehr über Flächenkunden wie Bau- und Drogeriemärkte. Zum anderen haben wir Mitte 2018 unsere neue Website mit Onlineshop veröffentlicht. Diese erfüllt alle Voraussetzungen aus Marketing und Technik und begegnet so den Herausforderungen auf einem hart umkämpften Onlinemarkt.
Damit und in Verbindung mit unseren qualitativ hochwertigen, innovativen Produkten, sowie den nachhaltigen Elementen sind wir gut für die kommenden Herausforderungen der Konsumenten aufgestellt.

 

Felix Stäb: Gerne würde ich Sie noch um ein paar Tipps für junge Firmengründer bitten. Was raten Sie einem Jungunternehmer, der sich einen Kundenstamm aufbauen will und insbesondere bei der Kundenakquise an seine Grenzen stößt?
Wolfgang Rayher:
Hier kann ich nur dazu raten, auf potenzielle Kunden ganz aktiv zuzugehen und diese wirklich aktiv anzusprechen. So wird die Hemmschwelle abgebaut und ersten Kundenbeziehungen vorgebaut. Aller Anfang ist schwer, Ausdauer und ganz viel persönliche Motivation sind in meinen Augen unerlässlich.

 

 

Felix Stäb: Was braucht ein junger Firmengründer in der heutigen Zeit um erfolgreich zu sein?
Wolfgang Rayher:
Damals, als ich mein Unternehmen aufgebaut habe, waren die Voraussetzungen andere. Wir befanden uns in der Zeit des Wiederaufbaus und Wirtschaftswunders. Die Voraussetzungen waren also ideal, in einer größtenteils wirtschaftlich florierenden Zeit.
Für mich sind heute vor allen Dingen gute, einmalige Produkte und Konzepte entscheidend, die etwas Individuelles besitzen und sich dadurch von den Mitbewerbern abheben. Viel zu viele Produkte sind nämlich zu vergleichbar. Gute Marketingleistungen und Vertriebskonzepte sind wichtig um dieses Produkt dann erfolgreich zu vermarkten und die kritische Masse zu erreichen – auch ein Unternehmen wie Rayher lebt von Produkten mit Alleinstellungsmerkmal.

 

Felix Stäb: Herr Rayher, ich bedanke mich für das ausführliche Interview und für die vielen, wertvollen Tipps.
Wolfgang Rayher:
Auch von meiner Seite aus, besten Dank für dieses Gespräch. Ihnen alles Gute für Ihren beruflichen Werdegang!

 

 

Fazit:

Das Interview mit Herr Rayher zeigt, wie wichtig kontinuierliche Weiterentwicklung und die eigenständige Motivation ist. Für mich ist es zudem spannend zu sehen, dass sich Rayher bewusst für die Werte „Qualität“ und „Nachhaltigkeit“ entscheidet und mit herausragenden Produkten statt Dumpingpreisen die Kunden begeistert. Es gibt demnach auch andere Wege zum Erfolg als über den Preiskampf.

Und auch Herr Rayher hat es erst im zweiten Anlauf geschafft, ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen – scheitern ist menschlich und dient dazu, Erfahrungen zu sammeln!

 

admin