Interview mit Frau Freund – Geschäftsführerin der Brauerei Gold Ochsen GmbH

1 year ago Learn from the best43

Die Gold Ochsen Brauerei in Ulm basiert auf einer 420-jährigen Tradition und ist seit 150 Jahren im Besitz der Familie Leibinger. Qualität durch Frische ist der überlieferte Leitspruch, an dem sich die 420 Jahre junge Ulmer Brauerei Gold Ochsen bis heute orientiert. Frau Freund ist Geschäftsführerin in fünfter Generation, und dies in einer ansonsten doch sehr männerdominierten Branche. Im Interview sprechen wir viel über Frau Freunds individuelle Herausforderungen und den Zukunft der Brauerei Gold Ochsen.

 

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v.r.: Bernd Pretzlaff (Leiter Qualitätssicherung), Ulrike Freund (Geschäftsführerin), Stephan Verdi (1. Braumeister und Techn. Betriebsleiter ) und Bernhard Frey (Produktionsleiter)

 

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Die Brauerei Gold Ochsen in Ulm

Frau Freund, was verbinden Sie mit dem Unternehmertum?

Mit dem Unternehmertum verbinde ich Freiheit, d. h. ich kann Entscheidungen alleine treffen, ohne jemanden fragen zu müssen. Unternehmertum bedeutet stets, selbst Initiative zu ergreifen und nicht darauf zu warten, bis jemand ein Geschäft anträgt.

 

Nur 12 Prozent der Familienunternehmen schaffen es in die dritte Generation. Gold Ochsen ist seit 150 Jahren in Hand der Familie Leibinger. Was sind die Gründe für die Kontinuität und den Erfolg?

Die Brauerei Gold Ochsen GmbH ist führender Hersteller von alkoholischen und nichtalkoholischen Getränken in Ulm und der Region.

Entsprechend unserer über 420-jährigen Geschichte, fühlen wir uns verpflichtet, unser Familienunternehmen eigenständig, profitabel, sozial- und umweltverträglich in die Zukunft zu führen. Unserer Familie gehört das Unternehmen seit 1867.

Dies kann nur gelingen, wenn wir auf partnerschaftlicher Ebene zusammenarbeiten.

Partner sind wir alle – Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – vom Auszubildenden bis zur Geschäftsführerin und selbstverständlich alle unsere Kunden und Zulieferer.

Wir sind davon überzeugt, dass Wertschätzung und Wertschöpfung untrennbar mit einander verbunden sind.

Wichtig ist für uns, dass die Gold Ochsen Biere unseren Ulmern schmecken und sie sich mit uns identifizieren. Ein großes Dankeschön gilt unseren Gold Ochsen Freunden.

Aus unserer traditionell starken Verbundenheit heraus haben wir uns immer auch für unsere schöne Stadt verantwortlich gefühlt und gezielt engagiert. Und wenn das hier spürbar ist, haben wir alles richtig gemacht.

 

Und wie die Familie das Unternehmen?

Dadurch dass wir als kleines Unternehmen gegenüber Großen bestehen müssen kann man schon sagen, dass wir das Unternehmen zur Sparsamkeit erzogen haben.

Wir investieren in die neueste Technik und unsere Mitarbeiter, um unseren Kunden immer beste Qualität zu liefern.

Bei Gold Ochsen spürt man, dass der Betrieb sich in eigener Hand befindet. Wir werden nicht von außen gesteuert und haben ein Gesicht, das unsere Kunden kennen. Ich denke, dass wir bei unseren Kunden als zuverlässigen Lieferanten geschätzt werden, weil wir ein partnerschaftliches Miteinander pflegen.

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Wie war es als Sie vor 31 Jahren in die Brauerei eingetreten sind?

Meine Ausbildung orientierte sich zunächst überhaupt nicht in der Absicht, einmal später in der Brauerei zu landen, sondern konzentrierte sich darauf lediglich einen Abschluss wirtschaftlicher Art zu erreichen.

Nach Mittlerer Reife und Fachoberschule begann ich zuerst einmal eine Ausbildung auf einer Bank in Ulm und lernte Soll und Haben zu unterscheiden. Mir machte das wirtschaftliche Arbeiten großen Spaß und ich konnte bereits ( damals gab es noch die berühmten Kurzschuljahre ) meine Lehre nach 2 Jahren abschließen, verblieb noch ein knappes Jahr bei meiner Ausbildungsstelle und wechselte dann nach München zu einer renommierten Privatbank.

Nebenbei absolvierte ich ein Studium an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie in München und schloss dieses  auch erfolgreich ab. 1985 stieg ich dann  ins elterliche Unternehmen ein und wurde 1988 Prokuristin und 1991 Geschäftsführerin.

Mir gefiel meine Aufgabe sehr und ich stellte fest, dass ich von Tag zu Tag immer mehr an Erfahrung gewinnen konnte. Auch die Mitarbeiter brachten mir Respekt entgegen. Als alternative Ausbildung hätte ich mir Krankenschwester oder aber auch Mode-Beraterin vorstellen können. Das waren meine Träume!!

 

Mit welchen Erfahrungen mussten Sie zu Beginn kämpfen?

Als Frau war es in den 80er Jahren noch nicht selbstverständlich in der Geschäftsleitung eines so großen mittelständischen Betriebes zu arbeiten. Insbesondere war das Brauwesen immer männerdominiert.

 

Wie ist es für Sie in eine Unternehmerfamilie geboren zu sein? Welche Erwartungen haben Sie dabei an sich selbst gestellt? Welchen Stolz verbinden Sie damit?

Dafür, dass man in eine Unternehmerfamilie hinein geboren wird, kann man zunächst nichts. Meine Eltern haben Wert darauf gelegt, ihre Kinder sparsam und bescheiden zu erziehen und nicht auf elitäre Privatschulen zu schicken. So konnte auch mühelos ein Umgang mit Kindern aus Nicht-Unternehmerfamilien gelingen. Für mich selbst war nicht von Anfang an klar, dass ich einmal im Unternehmen tätig sein werde. Immerhin habe ich sieben Berufsjahre in München verbracht und dort hätte ich auch bleiben können. Stolz war ich aber, als mich mein Vater nach meiner mehrjährigen Berufserfahrung als Bankkauffrau und VWA-Absolventin in den Betrieb zurück nach Ulm geholt hat.

Welche Rolle spielt Selbstdisziplin in Ihrem Leben?

Eine ganz große Rolle, auch ich muss mich zur Disziplin zwingen, Tag für Tag. Das fängt schon damit an, jeden Morgen um 7:30 Uhr am Schreibtisch zu sitzen, auch wenn es am Abend zuvor spät geworden ist.

Mit welchen Herausforderungen mussten Sie am meisten kämpfen?

Mit Personalführung und Entscheidungen hinsichtlich risikoreicher Projekte jeglicher Art. Mit Herausforderungen seitens unserer Mitbewerber in Form von einstweiligen Verfügungen im Bereich des Wettbewerbs etc. und mit Kunden, die ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen, als auch Bauprojekten auf dem Immobiliensektor.

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Welche Werte sind Ihnen wichtig?

Vertrauen, niemand über den Tisch ziehen, Großzügigkeit zeigen, wo es angebracht ist, Kommunikation und Wertschätzung allen Mitmenschen zu zeigen. Ehrlich zu sein, wenn es Schwierigkeiten gibt und für die Mitmenschen auch berechenbar bleiben. Ich möchte nicht, dass der Ruf mir voraus eilt, ich sei nur auf Gewinnmaximierung aus und hätte menschliche Züge durch die Härte meiner Aufgaben verloren. Auch wenn es noch so hart im Business ist, möchte ich darauf hoffen, dass die Mitarbeiter und Geschäftspartner gerne zur Problemlösung zu mir kommen, angstfrei und ebenfalls offen! Dann haben die Mitarbeiter und Geschäftspartner schon mal gute Karten und dies führt auch immer zu einer Lösung, mit der dann jeder leben kann.

 

Welche Erfahrungen haben Sie als Frau und Kopf eines großen Unternehmens gemacht? Was würden Sie gerade jungen Unternehmerinnen mit auf den Weg geben?

Anfangs wurde ich sogar für die Sekretärin meines Prokuristen gehalten. Diese Zeiten sind glücklicherweise vorbei. Einer jungen Unternehmerin würde ich heute auf den Weg geben, selbstbewusst aufzutreten und sich den Schneid nicht abkaufen zu lassen.

 

Meiner Meinung nach ist die Fähigkeit, Probleme direkt zu lösen und nicht daran zu verzweifeln eine der wichtigsten Aufgaben eines Unternehmers. Würden Sie mir in dieser Hinsicht zustimmen?

Mein Vater hat mir mal folgendes auf den Weg mitgegeben:
Ulrike, du musst dir ein dickes Fell zulegen, Durchhaltevermögen und Konsequenz mitbringen, wenn dann noch eine Portion Gesundheit – die sehr wichtig ist – dazu kommt, dann müsste dir alles gelingen.

Unternehmerin

Was war Ihr wichtigstes Erlebnis als Unternehmerin?

Ich habe während meiner Laufbahn vieles erlebt. Geschichten und Ereignisse, die mich immer begleiten. So zum Beispiel:

  • das Ausscheiden meiner 3 Geschwister aus dem Familienbetrieb,
  • der Tod meines Vaters – der noch mit seinen 90 Jahren kluge Entscheidungen traf,
  • der Brand unserer beiden Gärtürme im Jahr 2003
  • und jüngst im Jahr 2013 die Kündigung der Pepsiabfüllung durch Amerika nach 50 Jahren Konzession und zahlreichen Awards.

Aus diesem Grund freut es mich sehr, das 150-jährige Bestehen in Familienhand in diesem Jahr feiern zu dürfen. Wir haben speziell dafür eine Chronik für diese Ära erstellt. Mit einer 120-seitigen Chronik in Buchform haben wir die Unternehmensgeschichte der vergangenen 150 Jahre mit über 120 Fotos bebildert und kurzweilig dargestellt.

 

Wie gehen Sie mit Rückschlägen um (vielleicht am Beispiel Pepsi)

Ich habe so viel Kraft und Mühe, Ideen, Arbeit und Fleiß in unsere Brauerei gesteckt, dass mich das immerzu motiviert weiterzumachen.

Hinter mit steht eine Mannschaft auf die ich stolz bin. Ganz besonders dankbar bin ich für den Einsatz meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach dem Brand der beiden Gärtürme.

Die Kündigung seitens Pepsi war selbstverständlich ein einschneidendes Erlebnis. Wir haben 50 Jahre erfolgreich zusammen gearbeitet – das ist eine lange Zeit.

Unser Vertrieb ist aktuell darauf ausgerichtet alle Segel auf afri-cola, Bluna und Libella zusetzen für die wir Lizenznehmer sind. Glücklicherweise verzeichnet man in Deutschland seit 2 Jahren einen Trend zu deutschen Colas und Limonaden.

Mit afri-cola und Bluna haben wir den richtigen Weg eingeschlagen.

Wie wichtig ist Ihnen visionäres Denken – welchen Rolle spielt es Ihrer Meinung nach für den Erfolg eines Unternehmens?

Eine große Rolle, man muss wissen, was man alles Erreichen möchte, darf aber unter keinen Umständen den sicheren Boden verlassen. Die Vision für Gold Ochsen sehe ich darin, dass wir unseren Marktanteil ständig erweitern wollen und dass es Gold Ochsen auch weitere 150 Jahren geben möge.

 

Welcher Rolle messen Sie dem Marketing bei?

Marketing spielt eine entscheidende Rolle für das Unternehmen und für die Marke Gold Ochsen. Da die erste Wahrnehmung oftmals entscheidend ist. Man sollte wissen, welche Kanäle das Unternehmen belegen will, um sich breiter aufzustellen.

Auch hier gilt für unser Haus ein Mix aus Kommunikation, Produktmanagement und Marktforschung.

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Die Themen Digitalisierung und Industrie 4.0 spielen eine immer größere Rolle für viele Unternehmen – welche Chancen und welche Risiken sehen Sie in diesem Wandel?

Chancen sehe ich auch in unserem Betrieb für den Online-Handel, der weltweit noch immer stark zunimmt. Die Risiken dürften bei der Datensicherheit liegen, man denke nur daran, dass selbst die Bundesregierung ihre geheimsten Daten nicht genügend sichern kann.

 

Was würden Sie jungen Gründern gerne mit auf den Weg geben?

Den Mut JA zu sagen und wenn man meint, man ist der Aufgabe nicht gewachsen, dann den Mut zu haben, zu sagen ich kann es nicht und dann auch den Hut zu nehmen.

 

Welche 3 Dinge sind Ihrer Meinung nach am wichtigsten für den Erfolg?

Bescheidenheit, Mut und Gesundheit.

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