Interview mit Herrn Clemens Keller – Geschäftsführer der Seeberger GmbH

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Seeberger produziert getrocknete Früchte, Nüsse, Getreide und röstet Kaffee für die Gastronomie,sowie für den Officebereich und ist damit Europas führender Hersteller im Bereich der Trockenfrüchte. Seeberger ist dabei ein Unternehmen, welches sich durch eine starke Marke und ein hohes Bewusstsein für Qualität, Nachhaltigkeit und soziales Engagement auszeichnet. Ich hatte das Vergnügen, mich mit Herrn Clemens Keller, Inhaber und einer von zwei Geschäftsführern des fast 175-jährigen Familienunternehmens, über die Marke Seeberger zu unterhalten. Den Wert unseres Gesprächs will ich nicht für mich behalten und gerne mit euch teilen – viel Spaß beim lesen ?

 

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Herrn Clemens Keller – Geschäftsführer der Seeberger GmbH

 

 

Herr Keller, für was steht die Marke ,,Seeberger‘‘ und welche Herausforderungen bringt eine solche Marke denn mit sich?

 Clemens Keller: Die Herausforderung ist, die Marke kontinuierlich weiterzuentwickeln. Klar ist bei uns das Thema ,,Qualität‘‘ sehr zentral. Diese wird aber natürlich auch sehr rational wahrgenommen. Deswegen ist es uns wichtig, dass wir einerseits für Qualität stehen, andererseits die Marke Seeberger aber gerade den Bereich ,,Genuss‘‘ verkörpert – der natürliche und gesunde Genuss aus Naturprodukten.

Es ist wichtig, zu wissen, für was unsere Marke steht und zu welchen Anlässen unsere Produkte verwendet werden. Dabei verlassen wir uns nicht nur auf unsere eigene Einschätzung, sondern beziehen Erkenntnisse aus der Markforschung mit ein.

 

Felix: Ihr müsst wissen, was der Kunde in euch sieht, nicht zuletzt darum, um eure Zielgruppe zu verstehen und das Marketing nach eurer Identität und den Interessen der Zielgruppe auszurichten.

Was wären denn einige Kaufanlässe von Ihren Kunden?

 

Clemens Keller: Wir haben ganz unterschiedliche Anlässe. Genussvolles „Snacken“ am Abend zu Hause, Jemandem (auch gerade sich selbst) etwas Gutes tun, gehört beispielsweise dazu. Ebenfalls ist das gesunde ,,Snacken‘‘ tagsüber ein großes Thema, als eine gesunde Alternative zu den Süßigkeiten sozusagen. Und der dritte Aspekt ist das Kochen und Backen.

Felix: Versuchen Sie denn auch gezielt andere Zielgruppen anzusprechen?

Clemens Keller: Dabei müssen wir uns immer die Frage stellen, was noch zur Marke passt. Wir bleiben dabei dem Kern der Marke treu und schauen, wie wir die Marke um neue interessante Produkte ausbauen können. Das hat beispielsweise dazu geführt, dass wir unseren Schoko-Mix eingeführt haben, um noch mehr in den Snack-Bereich zu gehen.

Felix: Dies ist ein sehr wichtiger Aspekt, den Herr Keller hier gerade angesprochen hat. Ihr müsst schauen, dass ihr nicht nur euer Marketing selbst, sondern gerade eure Produkte und euren Service an neue Zielgruppen anpasst. Diese Methode birgt oftmals einen viel größeren Wert, als eine schlichte Marketingmaßnahme, da sie neue Geschäftsfelder erschließt und die Marke voranbringt.

Marketing 3

Was sollte bei der Einführung von neuen Produkten beachtet werden?

Clemens Keller: Passt ein neues Produkt zur Marke, dann geht es in die konkrete Planung und Umsetzung.

Wie gelingt die Beschaffung? Können wir die Produkte in gleichbleibend hoher Qualität beziehen? Und lässt sich ein für den Endverbraucher nachvollziehbarer Preis erzielen.

 

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Auch von mir nur zu empfehlen: Der Seeberger Schoko-Mix

 

 

Wie gehen Sie als Geschäftsführer bei der Auswahl von Geschäftspartnern vor?

Clemens Keller: Bei der Auswahl unserer Lieferanten legen wir viel Wert auf Qualität und Zuverlässigkeit. Dafür bieten wir unseren Partnern faire Preise, eine langfristige Zusammenarbeit. Wir gehen auch gemeinsam mal durch schwierigere Erntejahre und wechseln nicht wegen der zweiten Nachkommastelle beim Preis den Lieferanten.

Alles in allem basieren unsere Geschäftsbeziehungen auf starkem gegenseitigem Vertrauen, sodass eine langfristige und erfolgreiche Zusammenarbeit zustande kommen kann.

Diesen partnerschaftlichen Umgang pflegen wir auch mit unseren Mitarbeitern

Felix: Seeberger hat beispielsweise ein Mitarbeiter-Beteiligungsmodell, bei dem Mitarbeiter am Ergebnis und am Kapital der Firma beteiligt werden. Auch ein Familienprogramm gibt es im Unternehmen. So haben Mitarbeiter die Möglichkeit, Belegplätze in einer Betriebskita zu buchen, es gibt Ferienprogramme  oder auch einen Wäschedienst. Durch einen solchen Service kann eine Mitarbeiterloyalität geschaffen und qualifizierte Mitarbeiter gewonnen werden. Mitarbeiter, welche langfristig im Unternehmen sind, tragen oftmals ein Unternehmen, da sie sich in ihren jeweiligen Gebieten als Experte etabliert haben.

Geschäftspartner

 

Ein großer Punkt der Unternehmenskultur und der Mitarbeiterförderung ist der Innovationsgeist im Unternehmen – wie gehen Sie gerade hier vor?

Clemens Keller: Unser Marketing kennt die Trends und  beobachtet den Markt. Neue Produktideen werden dann von unserem technischen Innovationsteam auf Umsetzbarkeit geprüft. Und dann gibt es bei uns in der Produktion das Programm ,,Seeberger-Ideenwerkstatt‘‘, wo wir Verbesserungen am unmittelbaren Arbeitsplatz herbeiführen. Das sind dann Mitarbeiterprojekte, die Prozesse oder die Situation am Arbeitsplatz verbessern. Dabei ist auch die Mitarbeiterweiterentwicklung enorm wichtig, mit dem Ziel, die Mitarbeiter, gerade was ihre Persönlichkeit anbelangt, zu stärken.

Nur so gelingt es uns, noch innovativer zu werden und den Wandel und die Veränderungen als Chance zu sehen.

Felix: Heute kann sich bereits in einigen Monaten ein kompletter Wandel vollziehen-  als Unternehmen kann man sich dagegen nicht wehren – ein Unternehmen muss dies vielmehr als Chance wahrnehmen und dort spielt eben die Persönlichkeit eine große Rolle.

Clemens Keller: Die Mitarbeiter sollten selbst etwas ausprobieren dürfen und das setzt eine gewisse Fehlerkultur voraus – es darf auch mal etwas schiefgehen.

Wechsel 

 

Auf welchen Werten und Prinzipien basiert denn Seeberger?

Clemens Keller: Das sind Werte wie Partnerschaft, Vertrauen, das Bewusstsein für Qualität im Bezug auf die Marke und generell nachhaltiges Wirtschaften. Wir wollen Verantwortung übernehmen, im Sinne unserer Partnerschaften mit den Mitarbeitern, Lieferanten und Kunden. Diese Werte sind schon über viele Jahre fest in unserem Familienunternehmen  verankert, müssen aber immer wieder gelebt und auch kommuniziert werden.

 

Felix: Wie spiegeln sich diese Werte denn in Ihren Partnerschaften wieder?

Clemens Keller: Wir wählen unsere Partner bereits nach diesen Werten aus. Wir vergewissern uns, dass unsere Lieferanten ökologisch nachhaltig wirtschaften und Sozialstandards für die Mitarbeiter eingehalten werden.

Felix: Ich finde diesen Punkt sehr wichtig, da ein Unternehmer etwas Gutes tun und sich sozial und global engagieren kann.

 

Clemens Keller: Absolut. Wir tragen auch gesellschaftliche Verantwortung. Beispielsweise mit unserer Privatstiftung ,,Sternschnuppen für Kinder‘‘. Damit wollen wir helfen, dass Kinder in eben diesen Ländern eine chancenreiche Zukunft haben. Dieses Projekt erfüllt einen selbst mit Freude und ist für mich eine Möglichkeit als Unternehmer einen Beitrag zu leisten.

 

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Wallnuss-Prüfung

 

Worauf kommt es heute bei einer Marke noch an?

Clemens Keller: Das der Kunde mit einer Marke mehr verbindet als nur ein Unternehmen – Neben dem Genuss- und Qualitätsaspekt soll der Verbraucher beim Kauf ein gutes Gefühl haben. Dass die bei Seeberger das schon irgendwie richtig machen – in Bezug auf die Nachhaltigkeit und im Umgang mit ihren Partnern.

 

Felix: Eine erfolgreiche Marke steht für etwas – sie kommuniziert eine gewisse Identität. Ein Kunde muss heutzutage mehr als nur ein Produkt kaufen – sondern gerade solche zentralen Werte, wie sie es auch bei Seeberger tun.

Diese Werte müssen im Marketing explizit eingebaut werde, da gerade dieser Aspekt Kundenloyalität und ein Markenbewusstsein aufbauen kann und eine Markenidentität fördert.

 

 

 

Was zeichnet Seeberger Ihrer Meinung nach noch aus?

Clemens Keller: Dass wir den Weg unserer Produkte – von Baum bis in die Tüte sozusagen- sehr genau kennen und so die Qualität über die gesamte Supply Chain kontrollieren. Das gilt für die Trockenfrüchte und Nüsse aber natürlich auch für den Kaffee. Am Standort Ulm investieren wir kontinuierlich in Logistik und Produktion, um uns auch zukünftig weiterentwickeln zu können.

Felix: Ein peripheres Sehen ist als Unternehmer enorm wichtig. Seeberger war zu Beginn ein Unternehmen, welches vor allem auf Kaffee spezialisiert war. Erst in der 4. Generation – mit der heutigen Inhaberfamilie – kamen die Trockenfrüchte ins Sortiment, welche heute die größte Produktlinie des Unternehmens darstellen. Auch vor Jahrzehnten die Entscheidung, den Einzelhandel zu beliefern und weg von Reformhäusern zu gehen, war ein Schritt, welcher sicherlich mit Risiko verbunden war, das Unternehmen Seeberger aber deutlich vorangebracht hat.

Clemens Keller: Und beim Blick nach vorne fokussieren wir uns vor allen Dingen auf die auf Marke, die attraktiv und begehrlich bleiben soll. Es ist etwas Besonderes, dass wir beide Pole haben – ganz viel Tradition und Erfahrung aber auch viel Potential für Innovationen. Uns muss es gelingen, aus unseren Produkten immer wieder etwas Innovatives zu erschaffen – wahrscheinlich wird auch in 100 Jahren noch Studentenfutter gegessen – trotzdem müssen es schaffen, dass unsere Produkte und unsere Marke weiterhin attraktiv bleiben.

 

Was würden Sie Ihrem ,,18-Jährigen Ich‘‘ mitgeben?

Clemens Keller: Noch mehr raus in die weite Welt zu gehen, sich selber auszuprobieren und versuchen mehr Dinge zu wagen. Dies wäre etwas, was ich im Nachhinein anders machen würde. Die Erfahrung, sich als junger Mensch einmal komplett auszuprobieren hatte ich so nicht, da mein Weg sehr strukturiert vorgegeben war. Ich würde jedem jungen Menschen empfehlen, sich selbst zu finden und etwas zu versuchen.

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Was würden Sie jungen Gründern noch mit auf den Weg geben?

Clemens Keller: Wenn man für eine Idee brennt und davon komplett überzeugt ist, dann muss man am Ball bleiben und langen Atem beweisen. Disziplin spielt dabei eine große Rolle.

Felix: Ich habe erst verloren, wenn ich aufgebe. Davor gibt es so gut wie immer einen Ausweg. Persönliches Wachstum ist dabei ebenfalls sehr wichtig.

Clemens Keller: Selbstreflektion ist ein ganz wichtiger Punkt, gerade wenn es um die persönliche Weiterentwicklung geht. Jeder sollte seinen eigenen Weg gehen – von dem Satz ,,in die Fußstapfen treten‘‘ halte ich nicht viel. Ich glaube, man kann Bewährtes beibehalten und dabei trotzdem seine eigenen Schritte gehen.

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Fazit

Ich danke Herrn Keller für das angenehme und interessante Gespräch. Ich finde gerade Herrn Kellers Verständnis für die eigene Marke als ein Punkt, von welchem andere Unternehmer viel mitnehmen können. Weiterhin inspiriert mich gerade der Umgang mit Zulieferern und Geschäftspartnern, durch welchen wahre Synergien entstehen können.

 

 

 

 

 

 

 

 

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