Interview mit Michael Schetter & Nico Scheller – den Inhabern der Fitnesskette ,,inShape”

2 years ago Learn from the best207

Michael Schetter und Nico Scheller sind die Inhaber der Fitnesskette ,,inShape‘‘. Gegründet wurde die Kette von Michael Schetter im Jahr 2002. Im Jahr 2008 stieg Nico Scheller als zweiter Geschäftsführer und Inhaber in das Unternehmen ein.

In unserem Gespräch haben die beiden viel von den Anfängen ihres Unternehmens erzählt. Ich finde es immer interessant, wenn sich ein Unternehmer ein unterschiedliches Konzept für einen hart umkämpften Markt überlegt. So haben auch Michael und Nico schnell erkannt, dass sie sich aus dem Preiskampf der Branche heraushalten und ihren Mitgliedern Qualität, Werte und Leistung bieten wollen.

 

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Nico Scheller & Michael Schetter

 

Auf meinem Podcast könnt ihr euch das komplette Interview anhören: Podcast

 

Wie habt ihr denn mit eurem Unternehmen angefangen?

Michael: Ich habe zuerst Physik studiert und dann im Jahr 2002 das erste inShape gegründet. Zu der Idee kam ich, da das Thema Fitness und Bodybuilding schon immer meine Leidenschaft war und ich auch an Wettkämpfen teilgenommen habe.

Nico: Ich komme ursprünglich aus einem ganz anderen Bereich, war mehr der Computerfreak und habe dann auch Wirtschaftsinformatik studiert. Ich habe mich während dem Studium bereits mit einer Software Firma selbstständig gemacht. Diese ging mit dem neuen Markt damals pleite und ich bin dann zu einem anderen Softwareunternehmen gegangen. Dort wurde ich letztendlich zum International Key Account Manager und bin relativ viel herumgereist. Während diesem Lebensabschnitt bin ich zu Michael zum Training gekommen und wir wurden Trainingspartner.

Dann kam der Punkt, als ich irgendwann keine Lust mehr auf meinen Job hatte, da ich viel auf Reisen war und dieser mich generell nicht erfüllte. Ich war nach meiner Kündigung mit Michael  beim Skifahren und hab etwas über mein Leid geklagt, da ich nicht so ganz wusste, was ich nun beruflich machen sollte. Da es viel regnete kamen wir nicht zum Skifahren, also entstand, mehr aus einer Bierlaune heraus, die Idee, dass wir doch eigentlich zusammenarbeiten könnten. Ich wusste zudem, dass in Geislingen das Fitnessstudio leer stand und habe mich am folgenden Montag direkt darum gekümmert. Also haben wir entschieden, dass wir dieses als gemeinsames Projekt angehen wollen. Noch mit viel eigener Arbeit konnten wir das Studio letztendlich aufbauen. Und so kam dann unsere Zusammenarbeit zu Stande, da wir schnell gesehen haben, dass es in Zukunft paritätisch laufen muss.

Michael: Wir haben uns dann überlegt, wie wir uns positionieren wollen. Wieso soll der Kunde zukünftig zu uns kommen? Wir müssen ja etwas anders machen als unsere Konkurrenz. Wo muss es denn hingehen war unsere zentrale Frage. Wir wollten vor allem die ältere Generation ansprechen und uns auf den Bereich Gesundheit fokussieren. Nach der Zielsetzung haben wir dann die Gestaltung  unserer Studios ausgerichtet, wobei wir schon immer viel Wert auf die Optik gelegt haben.  Nach dieser Maßnahme waren unsere Studios schnell überfüllt und wir haben nochmal alles auf eine Karte gesetzt, indem wir mit einem Kredit unser eigenes Studio gebaut haben – was durchaus nicht so einfach war.

Nico: Wir haben also geschaut, wo wir unser Studio bauen könnten. Wir sind dann in ein Gebiet gezogen, wo noch kaum etwas angesiedelt war und alle unsere Bekannten meinten, ob wir denn komplett verrückt seien. Das Problem mit den meisten Fitnessunternehmern ist, dass sie denken, dass sie mit einem Studio nur erfolgreich werden, weil sie etwas von dem Sport an sich verstehen. Doch wie soll ein Unternehmen funktionieren, wenn du keine Ahnung von Personalführung, Marketing und Betriebswirtschaft hast und dich nicht darum kümmerst? Der Ruf der Branche war also im wahrsten Sinne ,,beschissen‘‘. Mit einem ausführlichen Businessplan und unseren Zahlen konnten wir die Bank letztendlich dennoch von uns überzeugen und bekamen als eine der wenigen eine Förderung. Auch der Standort entpuppte sich später als super Entscheidung.

Michael: Wichtig war, dass unser Plan fundiert war und wir eine Vision dafür hatten. Der Weg war aber alles andere als einfach. Wir hatten beispielsweise einen genauen Budgetplan und einen Notfallpuffer für den Bau unseres Studios eingeplant. Nur mussten wir dann feststellen, dass der komplette Boden erneuert werden musste, da wir darauf nicht bauen konnten. Unser Notfallpuffer war somit bereits verschwunden, bevor wir überhaupt mit dem Bau beginnen konnten. Manchmal muss man im Leben eben zwei Schritte zurückgehen, um drei nach vorne zu kommen. Uns ging es gut, wir hatten ein sicheres Leben, haben aber mit dem Bau wieder alles auf eine Karte gesetzt. Nach Fertigstellung ging das Studio dann aber wirklich schnell durch die Decke.

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Wie sah dann euer nächster Schritt aus?

Michael: Wir haben dann geschaut, wo unsere Reise denn hingehen soll. Wir wollten unseren Mitarbeitern Perspektiven bieten. Dazu muss aber ein Wachstum vorhanden sein. Ausruhen konnten wir uns aus strategischer Sicht nicht. Unser Ziel war es also, dass wir regional Marktführer werden wollten. Und so kam es dazu, dass wir auch vom Angebotsportfolio alle Zielgruppen angesprochen, und in unser Portfolio aufgenommen haben.

Felix: Hier arbeitet das inShape mit drei verschiedenen Angeboten. Je nach Angebot stehen mehr Leistungen und Studios zur Verfügung, dafür ist der Preis natürlich auch etwas höher – auch hier stimmt eben der Satz, dass Qualität seinen Preis hat. Ich finde, dass es enorm wichtig, da der Preiskampf nicht immer die richtige Lösung ist. Es wird immer jemanden geben, der euch beim Preis übertrumpft – und eure Kunden werden gehen, sobald sich hier eine bessere Möglichkeit bietet. Versucht immer, euch mit anderen Werten und Leistungen ein Alleinstellungsmerkmal zu erarbeiten.

Nico: Der Preiskampf ist ein Fehler, auf den sich viele einlassen. Zu Beginn haben auch wir uns gefragt, ob wir als Franchisenehmer auf den Markt gehen sollen. Doch wir haben eindeutig gesagt, dass wir uns darauf nicht einlassen wollen. Es gibt wirklich immer jemanden der einen preislich unterbietet. Wir wollten also bewusst derjenige werden, welcher am teuersten ist, dafür aber auch die beste Leistung bietet. Mittlerweile kann man bei uns in acht Clubs trainieren, welche sich alle unterscheiden und sich durch andere Angebote auszeichnen. Wir wollen uns an den Besten messen und zu den Besten in Deutschland gehören.

Michael: McFit ist hier bei uns Marktführer, welche jetzt mit 4,90€ pro Monat auf den Markt gehen. Dies macht McFit im Endeffekt um andere Mitbewerber zu löschen. Wenn du im gleichen Segment bist, dann hast du dagegen keine Chance. Wir fragen uns immer wo die Musik der Zukunft spielt. So kamen wir dann schnell zum Thema Firmenfitness und etablieren uns nun auch als Vorreiter in diesem Bereich. Mittlerweile sind wir hier bei über 70 Unternehmen.

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Was ist ein weiterer Punkt, welchen eurer Meinung nach zu viele Unternehmer vernachlässigen?

Nico: Die Zielplanung. Wir setzen uns oft zusammen und führen strategische Meetings durch. Auch mit unseren Führungskräften setzen wir dieses Konzept um. Oft muss ein Unternehmer sich umorientieren und nachjustieren. Ganz oben sollte natürlich immer die Vision stehen.

Es ist aber wichtig, dass du langfristig und strategisch die Situation hinterfragst und dich gegebenenfalls anpassen musst.

Felix: Du musst ein Ziel vor Augen haben und darauf hinarbeiten. Anders kannst du nicht oben landen. Die Welt verändert sich zudem immer schneller. Sobald du dich ausruhst hast du verloren. Du musst nach neuen Chancen suchen und dich einem Wandel anpassen, anstatt dich vor ihm zu fürchten.

Nico: Und dort müssen auch die Mitarbeiter integriert werden. Wir versuchen, dass wir unseren Mitarbeitern immer neue Möglichkeiten geben, um sich selbst weiterzuentwickeln und persönlich zu wachsen. Das Unternehmen kann nur dann erfolgreich werden, wenn auch der Mitarbeiter ein Ziel vor Augen hat und sich selbst herausfordert.

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Michael, was hat sich denn für dich geändert als Nico dazukam? Was für ein Unterschied macht der richtige Partner?

Michael: Eine Zusammenarbeit ist wie eine Beziehung. Wenn es funktioniert , dann hast du wahnsinnige Synergien. Extrem wichtig ist es, dass du verschiedene Blickwinkel hast. Wenn du es allein machst, kann es sein, dass dir deine Leute nach der Nase reden und dir nie kontra geben. Wenn du aber einen gegenüber hast, der dir die Stirn bietet und argumentativ andere Argumente einbringt, dann kann dies immense Vorteile haben. Dazu musst du natürlich reif genug sein. Was zählt ist das Wohlergehen des Unternehmens. Dort musst du dann auch bereit sein einmal nachzugeben. Und als einzelne Person zerbrechen viele einfach an den Herausforderungen und den Problemen, welche der Weg mit sich bringt. Im Team können diese leichter bewältigt werden.

Felix: Ein sehr wichtiger Punkt. Viele unterschätzen die Risiken und Probleme, welche mit dem Unternehmertum einhergehen. Im Team können diese Herausforderungen leichter durchgestanden werden und ihr könnt euch gegenseitig motivieren.

Michael: Wichtig ist, dass du den Glauben nicht verlierst.

Nico: Die mentale Komponente ist absolut entscheidend. Wir erleben dies immer wieder. Du musst den mentalen Druck bewältigen, sowie erkennen, dass du allein verantwortlich bist und es auch Rückschläge im Leben gibt. Du musst die Fehler bei dir, und nicht deiner Umwelt suchen.

Felix: Du kannst entweder Ausreden finden oder wirklich an dem Problem arbeiten. Wenn etwas schiefgeht, dann bist du verantwortlich. Die anderen Menschen und Umstände dafür verantwortlich zu machen ist die einfache Lösung, welche euch in keiner Weise voranbringen wird.

MINDSET !

Disziplin ist ein weiterer wichtiger Punkt, welcher eine enorme Rolle einnimmt – was sagt ihr zu diesem Thema – wie wichtig ist Disziplin?

Michael: Ihr dürft nie das Ziel aus den Augen verlieren und dürft keine Zweifel aufkommen lassen. Disziplin brauchst du überall wo du erfolgreich sein kannst. Wollen tun viele. Aber du brauchst einen intrinsischen Wunsch, dass du dafür brennst was du tust, und alle Hindernisse überwindest. Die wenigsten haben den brennenden Willen und sind  deswegen nicht in der Lage, für ihren Traum wirklich alles Erforderliche zu tun, sowie dabei das Ziel nicht aus den Augen zu lassen. Das was du tust muss zur Leidenschaft werden, ansonsten kannst du nicht erfolgreich sein.

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Fazit:

Es ist wichtig ein gutes Team zu haben. Ob dies nun ein Geschäftspartner, oder auch nur eure Mitarbeiter sind – ihr müsst Probleme untereinander besprechen und eure unterschiedlichen Stärken bewusst nutzen. Schreckt zudem nicht davor zurück, dass ihr der anderen Person kontra gebt, wenn ihr darin einen Wert für euer Unternehmen seht.

Weiterhin finde ich es inspirierend, dass Michael und Nico sich so vehement von der Konkurrenz abgesetzt und ein eigenes erfolgreiches Konzept entwickelt haben. Oft steckt der wahre Wert einer Idee in dem Teil, welcher euch von dem bisherigen System abgrenzt.

Was ich euch zudem mitgeben will, ist die Leidenschaft, mit welcher Michael den Grundstein des Unternehmens gelegt hat und die fundierte Planung, welche gerade Nico gezielt angesprochen hatte. Versucht immer alle Facetten eures Unternehmens zu durchleuchten und neue Potentiale ausfindig zu machen.

 

Hier nochmals der Link zum Podcast. Falls ihr mehr über Michael und Nico erfahren wollt, dann könnt ihr euch dort gerne das komplette Interview anhören: Podcast mit Michael und Nico

 

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