Interview mit Alexander Kulitz – Politiker und Unternehmer

Alexander Kulitz ist Gesellschafter und Mitglied der Geschäftsleitung der ESTA Apparatebau GmbH & Co.KG. Ehrenamtlich ist Herr Kulitz Bundesvorstand der Wirtschaftsjunioren und für die FDP seit 2017 Mitglied des deutschen Bundestages. Wir haben sehr viel über die Politik in Deutschland gesprochen und wie wir uns langfristig aufstellen müssen, um weiterhin einer der führenden Wirtschaftsmächte zu sein.

 

Hier kannst du unser Interview auch als Podcast anhören:

 

Wie kommt man denn als Unternehmer in die  Politik?

Herrn Kulitz: Das war für mich nicht geplant. Ich habe mich bei den Wirtschaftsjunioren ehrenamtlich engagiert und wurde dann gefragt, ob ich denn nicht für die FDP für den Landtag antreten möchte.

Später wurde ich von der FDP-Ulm gefragt, ob ich denn nicht bereit wäre, jetzt auch für den Bundestagswahlkampf für Ulm anzutreten. Ich habe dann einen sehr guten Listenplatz erhalten und wurde letztendlich als Platz 11 auf die Landesliste gewählt. Nach dem dann doch sehr überraschenden Ergebnis bin ich dann in den Bundestag eingezogen.

Es war für mich bis dahin vor allen Dingen mehr ein Unterstützungswahlkampf für die FDP, da ich wollte, dass die Liberalen wieder stärker in die Parlamente kommen und weil ich als Unternehmer den Bedarf nach einem liberalen Kollektiv gesehen habe. Mir war einfach wichtig, dass wir wieder eine Partei haben, welche bewusst unsere heutigen, oftmals doch zu engen, Gesetzgebungsverfahren hinterfragt.

 

Wie war es dann, als Unternehmer auf einmal so zentral in der Politik zu stehen?

In der Unternehmerfamilie sind ganz andere Dinge wichtig. Wir achten vor allem auf Loyalität gegenüber dem Unternehmen und gegenüber der Firma. Das ist wahnsinnig wichtig, denn wenn sich jemand nicht mit der Unternehmerfamilie, und damit dem Unternehmen, identifizieren kann, so ist dies auch keine Person, welche bei uns arbeiten könnte. Ebenfalls sind Kompetenzen ein ganz großes Thema im Unternehmertum – ich kann beispielsweise niemanden aus der Montage einfach in die Buchhaltung stecken.

Dies alles sind Themen, welche in der Politik eher untergeordnet sind. Wenn ich ganz ehrlich bin, so spielt Loyalität in der Politik kaum eine Rolle – es ist sehr schwierig, diese dort überhaupt zu finden. Selbst Kompetenzen spielen im Parlament leider eine viel zu sehr untergeordnete Rolle. Dafür sind es selbstverständlich andere Qualitäten, welche dort gefragt sind – wie gut Sie beispielsweise Mehrheiten organisieren können, welche Netzwerke Sie haben und ob Sie gut mit der Presse und den Medien verbunden sind. Dies alles sind Elemente, welche für den Unternehmer keine primäre Rolle einnehmen.

Als Unternehmer will ich eine Vision verwirklichen und treffe demnach Entscheidungen. Als Politiker muss ich Mehrheiten organisieren und eigene Kollegen, sowie auch andere Parteien überzeugen. Oftmals kommt dann eine andere Vision zustande, welche ich nicht in exakt dieser Form anstrebe, da ich schlichtweg viele Kompromisse eingehen muss.

 

Ich finde, dass wir auch einfach mehr Unternehmer in der Politik benötigen. Wo fehlt es denn in der Politik an unternehmerischen Handeln?

Dies ist eine sehr schwierige Frage. Wenn wir gerade einmal Donald Trump als Beispiel nehmen, welcher ja aus dem Unternehmertum stammt, so können wir erkennen, dass ein rein unternehmerisches Handeln in der Politik nicht zwingend die beste Lösung ist. Klar werden dadurch auch Strukturen aufgebrochen und es hat gewisse Vorteile. Allerdings birgt es auch unglaubliche Gefahren. Und zwar insbesondere dann, wenn die Politiker sich diplomatisch zu sehr in die Enge getrieben fühlen, was dann zu falschen Maßnahmen und zu größeren Verwerfungen führt.

Ich muss bei diesem Beispiel auch sagen, dass ich etwas enttäuscht bin, dass wir als Europa uns nur selten zusammensetzen und Trump die Stirn bieten.

 

Muss denn dann ein Politiker auch gerade viel mehr Faktoren berücksichtigen, um letztendlich eine Entscheidung zu treffen, als beispielsweise der Unternehmer?

Es ist natürlich so, dass die Politik die Rahmenbedingungen aufstellt, mit welchen wir arbeiten müssen. In einer sozialen Marktwirtschaft ist dies auch unglaublich wichtig. Dies sind natürlich Faktoren, welche bedingen, dass ich politisch auch das große Bild immer im Blick habe. Dies ist meiner Meinung nach einer der größten Fehler in der Politik, da wir oftmals nach Einzelfällen Entscheidungen treffen, welche in keiner Weise das Kollektiv abbilden. Und ich glaube, dass es deswegen auch nicht schlecht wäre, wenn wir mehr Unternehmer in der Politik hätten, welche verstehen, dass das Geld der Wirtschaft erst einmal erwirtschaftet werden muss. Ich muss wirklich auch dahin die Rahmenbedingungen ausrichten, dass ich sage, dass wovon eine soziale Marktwirtschaft lebt, dass dies gehegt und gepflegt wird.

Also sollten wir aufhören mit unserer Dekadenz Dinge zu regeln, für welche wir absolut keine Kompetenzen haben.

Ich halte es vor allem für einen gewaltigen Fehler, wenn wir wegen einem Beispiel große Entscheidungen fällen, gerade in unserer Zeit, wo die Digitalisierung den Alltag in rasantem Thema verändert und wir nicht nach solchen Einzelfällen gravierende Entscheidungen treffen sollten.

Dafür muss die Politik also flexibel bleiben und sich dem Wandel anpassen können.

 

Wie fehlgeleitet ist denn das generelle Unternehmerbild in Deutschland und wo müssen wir in der Politik etwas verändern?

Das falsche Bild des deutschen Unternehmers, welcher mit der S-Klasse und der Zigarre im Mund durch die Gegend fährt, wird bei uns leider bereits in der Schule proklamiert. Die wenigen Leute, welche heutzutage immer noch bereit sind ins Risiko zu gehen und die Chance haben, in einigen Jahren selbst Arbeitsplätze anzubieten und die Wirtschaft voranzubringen, die wenigen Leute werden bei uns bereits am ersten Tag mit einer unglaublichen Bürokratie abgestraft.

Ich finde dies gerade von den Parteien sehr unsozial, welche sich selber immer auf die Fahne schreiben, dass sie sozial wären.

Nehmen Sie gerade einmal ein Start-Up als Beispiel- also die Personen, welche etwas vorantreiben wollen und wovon leider die meisten immer noch scheitern. Sollte nun einer dieser Gründer arbeitslos werden, so gibt es für ihn kein Arbeitslosengeld, sondern er wandert direkt ins Hartz IV. Diejenigen, wo wirklich etwas aufbauen und Wohlstand schaffen wollen, um diejenigen kümmert sich bei uns niemand.

Zudem regelt die Politik jedes kleinste Detail, obwohl sie eigentlich nur Rahmenbedingungen vorgeben sollte. Dadurch zerstören wir ganze Strukturen und erschweren nur unnötigerweise den Weg.

Mit Gesetzen wie der völlig fehlgeleiteten Datenschutzverordnung jagen wir gerade die talentiertesten Menschen und Unternehmer ins Ausland. Da brauchen Sie sich später nicht wundern, wenn deren Firmen dann in den USA oder in Israel, und nicht hier in Deutschland entstehen. Und auch beim Datenschutz treffen wir vielmehr die kleinen Unternehmen, weil wir nach einigen großen Fällen, welche eigentlich die großen Unternehmen betreffen, entschieden und gehandelt haben.

Wir gestalten also nicht mehr, sondern reagieren nur noch, um das Problem einmal zusammenzufassen.

 

Wie können wir dann politisch gesehen den technologischen Fortschritt und Wandel bewältigen?

Indem wir mehr mit Generalklauseln arbeiten und Freiräume zur individuellen, flexiblen und schnellen Reaktion geben. Nur so können wir den Wandel in dieser Geschwindigkeit bewältigen.

Was würden Sie einem jungen Unternehmer mit auf den Weg geben?

In aller erster Linie solltest du nicht aufgeben! Hier ist es schwieriger als in anderen Ländern, aber gib nicht auf. Mein Rat ist, dass ihr euch nicht entmutigen lassen und eure Idee verwirklichen sollt. Wenn ihr tatsächlich an eure Grenzen gerät, so steht immer wieder auf. Wenn ihr dies hier nicht könnt, so packt eure Sachen und findet den richtigen Platz, egal wie schade dies für uns als Land auch ist.

 

 

 

Hört hier das originale Interview mit Herrn Kulitz auf meinem Podcast:

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