Interview mit Herrn Dr. Biskup von der CeGaT GmbH

Die CeGaT GmbH ist ein mittelständischer Dienstleister im Bereich der Medizin und Biotechnologie und bietet die Entschlüsselung von Erbinformationen und die medizinische Interpretation der Daten an. Der CeGaT GmbH ist es weltweit als Erstem gelungen, die humangenetische Diagnostik und die Hochdurchsatzsequenzierung, eine neue Methode zur Analyse des Erbgutes, zu verbinden. Das Unternehmen wurde von Frau Doktorin und Herrn Doktor Biskup gegründet. Die CeGaT GmbH gewann 2011 den deutschen Gründerpreis für das Start-Up des Jahres.

 

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Saskia & Dirk Biskup – Geschäftsführer der CeGaT GmbH

 

Ich hatte das Vergnügen mit Herrn Dr. Biskup über die Herausforderungen als Unternehmer und die Einstellung zum Unternehmertum zu sprechen. Ich wünsche viel Spaß beim lesen und dass Sie alle viel daraus mitnehmen können:

 

Wie würden Sie ein Unternehmen starten? Was sollten junge Gründer gerade zu Beginn beachten?

Herr Biskup: Das wichtigste aus meiner Sicht ist die Ehrlichkeit sich selbst gegenüber. Irgendwelche Finanzplanungen sind zu Beginn immer einfach. Ich sollte mir dann jedoch die Fragen stellen: Klappt mein ganzes Konzept denn auch? Ist es realistisch? Habe ich das Potential ein solches Unternehmen zu gründen und was müsste ich noch lernen? Hat mein Produkt einen Nutzen für meine Kunden? Welche Barrieren muss ich vielleicht in Betracht ziehen? – Erst dann sollte ich mich um eine Finanzierung kümmern.
Die zweite Erkenntnis ist, dass Sie entweder das Risiko tragen oder der Laden Ihnen nicht gehört. Entweder sammeln Sie Eigenkapital über Business Angels oder Venture Capital Investoren ein; dann gehört Ihnen Ihr Unternehmen aber nicht mehr allein und Sie haben auch nicht die alleinige Kontrolle. Oder Sie gehen zur Bank und nehmen Fremdkapital auf; dafür haften Sie jedoch persönlich.

Felix: Dies sind im Endeffekt die zwei Möglichkeiten die Sie als Gründer haben. Entweder gehen Sie zur Bank und nehmen Fremdkapital auf, oder Sie suchen sich eine Person, die sich an Ihrem Unternehmen beteiligt.
Sie haben zudem eine wichtige Sache angesprochen. Es sollte bei Ihrem Businessplan und Ihrer Planung nicht nur um Finanzkennzahlen gehen, sondern auch um Ihre Vision und den Nutzen, welchen Sie Ihrer Zielgruppe bieten können. Nur wenn diese beiden Dinge vorhanden sind können Sie überhaupt Geld verdienen.

Herr Biskup: Die Frage: ,,wer und wieso zahlt jemand dafür?‘‘ ist eine mehr als spannende und elementare Frage, welche Sie in keiner Excel-Tabelle beantworten können.

 

Wie sahen die Anfänge Ihres Unternehmens aus?

Herr Biskup: Wir haben zu Beginn einen ausführlichen und leicht verständlichen Businessplan geschrieben, dann Fremdkapital eingesammelt (dafür persönlich gehaftet) und die geeigneten Räume für unser Unternehmen gesucht, sowie die ersten Mitarbeiter eingestellt. Dann haben wir uns sehr viel Mühe gegeben um überhaupt Kunden zu finden. Das war anfangs weitaus schwieriger als wir es uns vorgestellt hatten. Mit den ersten Kunden wurden es dann aber immer mehr. Die Kunden waren letztendlich zufrieden und haben uns weiterempfohlen.

Felix: Erwarten Sie zu Beginn nicht zu viel. Sie werden mit Ablehnung zu kämpfen haben. Sobald Sie eine Chance bekommen, versuchen Sie sich direkt zu beweisen. Durch Leistung werden Sie neue Kunden gewinnen können.

Geduld

Wie vorteilhaft war es für Sie, dass Sie bereits in Management-Positionen tätig waren, wie beispielsweise als Finanzvorstand der AEG Electric Tools GmbH?

Herr Biskup: Wie immer ist das mit Vor,- und Nachteilen verbunden. Der Vorteil , den ich hatte, ist die Erfahrung in der Mitarbeiterführung und dem Management generell. Dadurch kannte ich bereits Probleme und Fragestellungen, die junge Gründer und Unternehmer vielleicht nicht kennen und die schnell größere Ausmaße annehmen können.
Der Nachteil ist natürlich, dass Sie nicht mehr ganz so unbedarft sind. Das ist in manchen Bereichen durchaus ein Nachteil, da Sie eine als junger Unternehmer eine andere Form von Spontaneität haben und vielleicht offener und risikoreicher agieren. Dies kann in vielen Situationen durchaus ein gewaltiger Vorteil sein.

Felix: Die fehlende Erfahrung muss nicht immer ein Nachteil sein. Oft hilft es Ihnen auch, da Sie die Abläufe, bedingt durch Ihr fehlendes Wissen, komplett neugestalten können.

 

Wo ist denn für Sie der große Unterschied zwischen einem ,,hohen‘‘ Angestellten und einem selbstständigen Unternehmer?

Herr Biskup: Sie arbeiten für Ihr eigenes Unternehmen und für sich selbst. Das ist dadurch eine andere Art von Identifikation, die Sie damit verbinden. Ich habe den Schritt nie bereut und würde es jeder Zeit wieder so machen. Es ist einfach schön zu sehen, was man selbst mit einem Unternehmen bewegen kann und dass ist es auch, was als Unternehmer Spaß und Leidenschaft bringt.

Felix: Sie sprechen einen Punkt an, welcher mir so enorm wichtig ist. Ein Unternehmer ist nicht immer ,,der böse Unternehmer‘‘, sondern kann mit seiner Arbeit etwas Gutes tun, Menschen helfen und durch Innovationen die Welt zu einem besseren Ort machen. Leider ist das Bild in Deutschland immer noch komplett falsch behaftet, gerade wenn Sie es mit der USA vergleichen, wo Unternehmer wahre Vorbildfunktionen einnehmen. Wir haben keine Kultur des Scheiterns, weder von der Gesellschaft, noch von unseren Institutionen selbst.

Herr Biskup: Da haben Sie einen extrem wichtigen Punkt angesprochen, für den ich mich immer wieder versuche stark zu machen. Auch zu akzeptieren, dass es nicht erfolgreiche Unternehmer gibt und diesen trotzdem eine zweite Chance zu geben, finde ich enorm wichtig.

Felix: Leider bekommen Unternehmer in Deutschland sehr viele Steine in den Weg gelegt. Es kann aber durchaus passieren, dass einmal etwas schief geht, oder dass man schlichtweg gesagt in manchen Bereichen viel Pech hat.

Herr Biskup: Genau deswegen ist diese Kultur und auch die gesellschaftliche Akzeptanz des Scheiterns so wichtig. Und diese ist in Deutschland leider gar nicht ausgeprägt. Das halte ich auch für ein volkswirtschaftliches Problem um das deutlich sagen, da dadurch weniger Menschen Unternehmen gründen. Wieso gibt es denn sonst bei uns kein Google oder Facebook?

Felix: Ganz sicher unteranderem durch die hier gegebene Mentalität und die Einstellung zum Unternehmertum. Dies ist ein Grund, wieso es auch mich mit meinem Start-Up nach Amerika zieht. In Amerika geht es um die Vision, darum etwas zu verändern. Hier geht es mehr um Finanzkennzahlen und die Gewinnrechnung – was langfristig keine neuen Innovationen fördert. Wir müssen als Land erkennen, dass unsere Zukunft maßgeblich an den Menschen hängt, welche etwas riskieren und einen Markt maßgeblich neu prägen.

Herr Biskup: Sie sagen es. Dazu muss das ,,Mindset‘‘ geändert werden. Man darf durch Versagen nicht direkt gebrandmarkt sein.

Mindset

Wo sehen Sie die Zukunft oder ein Wandel in der Medizin?

Herr Biskup: Dort wird eine Menge passieren. Gerade im Bereich der Digitalisierung, der künstlichen Intelligenz und der Zusammenarbeit in Gruppen. Meiner Meinung nach ist es nicht mehr notwendig, dass ein Medizinstudent heutzutage jeden kleinsten Muskel auswendig lernen muss. Ist diese Ausbildung denn im Sinne des Patienten? Oder wollen wir nicht, dass die Ausbildung einen Schritt ,,digitaler‘‘ wird, sodass die Ärzte auch damit umgehen können?

 

Fazit:

Im Gespräch mit Herrn Biskup war sofort zu erkennen, dass Herrn Biskup viele Einstellungen mit mir teilt. So sehen wir beide die Relevanz in der Planung einer neuen Geschäftsidee mehr in der Vision und dem Nutzen des Unternehmens, als in bloßen Gewinnplanungen und in den Finanzkennzahlen. Ein Unternehmen sollte auf einem Wert für eine gewisse Kundengruppe beruhen – nur so können Sie letztendlich Geld verdienen. Sie sollten sich also vielmehr darauf fokussieren und versuchen eine Strategie zu entwickeln, mit der Sie den maximalen Wert erzeugen, und mit Ihrem Unternehmen auch Geld verdienen können.

Zudem teilt Herr Biskup dieselbe Meinung, was die Einstellung der Gesellschaft zum Unternehmertum angeht. Wir sollten junge Leute vielmehr unterstützen und motivieren Ihre eigenen Ziele zu verfolgen. Langfristig könnte dies ansonsten im wahrsten Sinne des Wortes zu einem volkswirtschaftlichen Problem werden. Bereits heute stammen die größten Unternehmen aus Amerika, die großteils in den letzten 10-35 Jahren gegründet wurden. Wir in Deutschland ruhen uns leider immer noch zu sehr auf unseren alten Erfolgen und auf unseren bereits existierenden Konzepten aus – der Wille einen neuen Markt zu erschaffen fehlt leider noch immer zu sehr – was auch stark mit der Struktur und dem ,,Spirit‘‘ der Gesellschaft zusammenhängt. Wenn Sie einen Traum haben, so halten Sie an diese fest und unterstützen Sie die Leute, welche etwas eigenes erschaffen möchten.
Herr Biskup ist meiner Meinung nach ein perfektes Beispiel für einen Unternehmer, der durch seine Arbeit Menschen hilft und etwas Gutes tut. Ich will Ihnen in diesem Kontext noch eine Kleinigkeit mitgeben:

 

Ich will Ihnen zum Ende noch ein neues Produkt der CeGaT GmbH vorstellen, das auch ich mit einer persönlichen Lebenserfahrung verbinde. Dabei geht es um ein somatisches Tumorpanel. Damit diagnostiziert die CeGaT GmbH die Zellen eines Patienten, die zu einem Tumor entartet sind. Auch ein Tumor ist eine genetische Erkrankung, Tumorzellen sind Zellen, deren Genom (zum Beispiel durch äußere Einflüsse wie Rauchen) verändert ist. Mit dieser Methode kann die CeGaT GmbH die DNA eines Tumors anschauen und genau erkennen, welche genetische Änderungen den Tumorzellen zugrunde liegt. Das Wissen um diese tumorspezifischen Mutationen ist von großer Bedeutung; erst darauf basierend können gezielt die richtigen Therapien verabreicht und die wirkungslosen Therapien vermieden werden. Eine solche Diagnostik kann im wahrsten Sinne des Wortes Menschenleben retten.
Ich selbst will meinen Blog nutzen, um diese Möglichkeit zu teilen, nicht zuletzt dadurch, dass ich selbst Erfahrungen mit einer Tumorerkrankung gemacht habe und weiß, wie wichtig es ist, dass viele Menschen von dieser Möglichkeit wissen. Solltet Ihr also jemanden kennen, der von einer solchen Diagnose profitieren würde, so sprecht gern einmal euren Arzt darauf an oder setzt euch mit der CeGaT GmbH in Verbindung. Gemeinsam können wir so viele Leben retten.

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Ich danke Herrn Biskup für das angenehme Gespräch und hoffe dass Sie alle viel daraus mitnehmen konnten.

Euer Felix

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